Monika Andreazza

Der Begriff Langeweile ist in unserer heutigen Gesellschaft negativ besetzt.
Denn man meint oft,  wenn jemandem langweilig ist, weiß er nichts mit sich anzufangen.

Doch ist Langeweile wirklich etwas Negatives?

In der Kinderpsychologie ist längst bekannt: Langeweile ist wichtig für die Entwicklung der Kinder, denn sie lernen dadurch Kreativität und sich selbst zu motivieren.

gelangweiltes Kind

gelangweiltes Kind

Langeweile schafft Kreativität

Der Tagesplan von Kindern ist meist genauso ausgefüllt wie der ihrer Eltern.
Das ist auch logisch, denn Kinder haben einen enormen Spieltrieb und wollen die Welt um sich herum entdecken.
Das ist eine große Aufgabe und für die Kleinen viel zu verarbeiten.

Obwohl die Kinder meist viele Spielsachen haben, häufig mit Freunden spielen und später auch einigen Hobbys nachgehen, hören fast alle Eltern irgendwann den Satz “Mama, mir ist soo langweilig.”

Langeweile schafft Kreativität

Langeweile schafft Kreativität

Die meisten Eltern fühlen sich dann sofort dazu aufgefordert, ihr Kind zu unterhalten, mit ihm zu spielen, ihm vorzulesen oder etwas zu unternehmen.
Doch damit tun sie ihrem Kind keinen Gefallen.

Indem das Kind seinen Eltern mitteilt, es sei ihm langweilig, hofft es natürlich genau darauf, dass die Eltern jetzt sofort etwas unternehmen, um die Langeweile zu beenden.

Aber Kinder brauchen diese Langeweile, um ihre Kreativität auszuleben.
Denn Langeweile ist nichts anderes, als ein vereinfachter Ausdruck dafür, dass gerade nichts ansteht bzw. die bekannten Spielmöglichkeiten gerade nicht attraktiv genug für das Kind sind.

Jetzt ist das Kind selbst gefordert, eigene Ideen zu finden, neue Möglichkeiten zu entdecken und der Kreativität freien Lauf zu lassen.
Dies gelingt jedoch nur, wenn es lernt, das zunächst unangenehme und ungewohnte Gefühl der Langeweile auszuhalten.
Die dadurch entwickelte Kreativität wird das Kind weiterbringen.
Nebenbei lernt das Kind sich selbst zu motivieren und selbständig zu handeln.

Zusammengefasst möchte ich alle Eltern beruhigen, dass sie keine schlechten Eltern sind, wenn sie ihr Kind zum Spielen schicken und mal keine Zeit für es haben.
Um ihrem Kind zu helfen, kreative Spiele zu entwickeln, hat es sich bewährt, ihnen anfangs Hinweise  zu geben oder Material zu Verfügung zu stellen.

Wieso ist Kindern langweilig, wenn sie doch Hunderte Spielsachen haben?

Viele Eltern können nicht nachvollziehen, wieso ihren Kindern langweilig ist, wenn es doch unzählig viele Spielsachen zur Verfügung hat.

Spielzeug

Dies ist aber meist genau der Grund dafür, denn Überfluss schafft Überdruss.
Wenn das Kinderzimmer voll mit Spielsachen ist, alles blinkt, alles ist farbig, alles leuchtet, alles macht Geräusche, dann werden die Synapsen der Kinder schnell überreizt und dadurch kommt ihre Kreativität nicht zur Entfaltung.
Eltern tun ihrem Kind deshalb keinen Gefallen, wenn sie es mit Spielzeug überhäufen.

Meist kommt es erst zu so vielen Spielsachen, eben weil die Eltern Langeweile verhindern wollen – ein klassischer Kreislauf also.

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Eltern sollten ihren Kindern daher nicht allzu viele Spielsachen kaufen, sondern eher auf Qualität statt Quantität setzen.
Am besten eignen sich Spielsachen, die die Kreativität der Kinder fördert und den Lerntrieb antreiben.
Spielsachen, die ausgebaut werden können und nicht immer dem selben Schema folgen sind daher Gold wert.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Kinder noch voller Fantasie sind und die Grenzen des Möglichen noch gar nicht kennen.
Daher lohnt es sich auch, die Kinder mit Dingen hantieren zu lassen, die eigentlich gar kein klassisches Spielzeug sind.
Bestens eigenen sich hierfür Naturalien wie Steine, Holz, Kartons, Stoffreste, Zweige, Blätter usw.

Langeweile ist nichts Negatives – auch nicht bei den Erwachsenen

Auch wir Erwachsenen können von dieser Erkenntnis profitieren und sollten einmal mehr von unseren Kindern lernen.

Denn in der heutigen Zeit kennen auch die Erwachsenen den Moment kaum noch, in dem nichts zu tun ist, weil der Tag meist schon völlig verplant ist.
Kommt dieser Moment dann doch plötzlich, füllen wir die Zeit häufig mit ziemlich sinnloser Zeitüberbrückung.

Oder wer kennt die Situation nicht, wo man Zuhause ziellos im Internet surft oder an der Bushaltestelle auf dem Handy herumtippt?

Das sind die seltenen Momente, in denen wir nicht durch den Alltag gehetzt werden.
Diese Momente sollten genutzt und vor allem genossen werden.
Doch durch den Überfluss haben wir vergessen oder gar verlernt, nur mit uns selbst zu sein, in uns zu gehen und einfach mal zu ruhen.

Dabei ist das so wichtig.

Die Kinder machen es uns vor.

Wie siehst Du den Zusammenhang von Langeweile und Kreativität?

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